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12 Mai, 2013

Die re:publica 2013: Kreativ das Hirn durchpusten #rp13

„Die re:publica wird jünger und älter.“ Dieses Zitat von PR-Blogger Klaus Eck beschreibt die Gemütslage von Deutschlands größtem Bloggertreffen, der re:publica, die Anfang Mai in Berlin erneut stattfand. Was 2007 mit 700 Interessierten als Treffen der Blogosphäre begann, hat sich fünf Jahre später zu einer Web-Konferenz mit 5.000 Teilnehmern entwickelt, Tendenz steigend. Unter dem Motto IN / SIDE / OUT spannen die Macher der Konferenz einen weiten Themenbogen von Netzpolitik über Urban Hacking, von Roboterethik zu Mobilität von Morgen. Und doch ist die re:publica noch ein Bloggertreffen. Auch wenn Deutschlands Blogger weder mit der öffentlichen Relevanz noch Qualität ihrer Blogs mit anderen Länder wie z.B. USA oder Frankreich mithalten können, so scheint es doch, dass sich auf der re:publica jeder einfindet, der irgendwie einen Blog schreibt oder mindestens Social-Media-Experte ist.

Jünger
Interessant ist die neue Altersdynamik der re:publica. Die Konferenz wird jünger. Viel jünger. Noch nie hatten so viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen Babies dabei. Die Kinder der Internetgeneration sind jetzt Eltern und schieben selbstbewusst den Kinderwagen von Session zu Session. Ein Hauch von „Grünen-Parteitag der 90er“ macht sich breit. Oder gar „Piratenpartei“? Die orange Partei bleibt blass auf der re:publica, obwohl sich ihre Stammwähler hier tummeln dürften. Es liegt wohl daran, dass man zum selben Zeitpunkt in Neumarkt einen Parteitag auf die Beines stellen will, um in die vielleicht letzte Schlacht der Bundestagswahl zu ziehen.

Jünger ist die re:publica aber auch, da die nächste Internetgeneration nachrückt, die „Digital Natives“ und „Generation Y“. Gegründet wurde die Konferenz von Vertretern der Gen X: Tanja (47) und Johnny Haeusler (48) von Spreeblick.com, Markus Beckedahl (36) von netzpolitik.org und Andreas Gebhard (37) von newthinking communications. Sie repräsentieren die Gruppe der „um die 40-Jährigen“, die derzeit vergeblich versuchen den Baby Boomern die Macht in Deutschland zu entreißen. Dieser Machtkampf beschäftigt sie dermaßen, dass sie gar nicht mitbekommen, wie sich eine noch smartere Generation anschleicht. Und die bringt ihr eigenes Medium mit: YouTube. Die Blogger der Zukunft sind YouTuber – ein fast deutsches Phänomen. Nirgendwo sonst ist YouTube bei der Vermarktung seiner Plattform so populär und erfolgreich wie in Deutschland. Die Kids stehen drauf. YouTuber wie LeFloidDiamond of Tears  oder Ungespielt  erreichen in wenigen Monaten über 60.000 Abonnenten und lehren ARD und ZDF das Fürchten, wenn es um die junge Zielgruppe geht. Den alten Blogger-Ethos, dass man sich von Geld nicht manipulieren lässt, ignorieren die Jungen von Anfang an und präsentieren vom Start weg vermarktbare Sendungen. Deutschlands Blogger sehen daneben noch älter aus.


Älter
Die re:publica wird aber auch älter, reifer. Viele Sessions und Themen sind weniger Protestnoten und Aufreger, sondern bemühen sich um realistische Lösungen und Antworten. Dr. Dieter Zetsche von Daimler darf sich in einem seriösen Interview zum Thema „Mobilität der Zukunft“ äußern (Daimler ist schließlich Hautsponsor der Konferenz) und der über 60jährige Gunter Dueck, Liebling der Szene, plädiert in seinem Vortrag für mehr Kompromissfähigkeit und „metakulturellen Diskurs“. Wird die re:publica erwachsener? Das wäre zu viel gesagt, denn die „um die 40jährigen“ tun sich schwer mit dem Erwachsenenwerden und wähnen sich ewig als junge Wilde, die die Welt – vor allem durch Reden – besser machen. Die besten Vertreter dieser Generation (und auch unterhaltsam anzusehen) sind Sascha Lobo, der für mehr Wut und Pathos wirbt  und Felix Schwenzel, der gar 10 Vorschläge hat, um die Welt zu verbessern.  
Man besucht die re:publica, um Freunde, Fans und Follower zu treffen und vor allem, um die Medienmacher der Zukunft kennenzulernen. Denn eines ist sicher, und das hat der Vortrag von Lothar Müller, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, gezeigt, die Zukunft gehört nicht dem Papier.   
Einen ganz persönlichen Rückblick auf die re:publica 2013 gibt es von mir hier auf

16 August, 2012

Was wächst da nach? Der kreative Nachwuchs ist dünn

Generation Millenial, Generation Y oder wie? Die neue Generation, die vor dem Sprung ins Arbeitsleben steht, hat irgendwie keinen prickelnden Namen. Die Amerikaner einigen sich gerade auf „Generation Millenial“ und schauen gierig hin, wie man die Konsumenten zwischen 20 und 30 am besten als Kunden und als Mitarbeiter bekommt. Damit löst diese Generation die „sog. Baby Boomer“ ab, die bisher die volle Aufmerksamkeit von Personalern und Marketingmanagerin in den USA genossen hatten. In Europa müsste diese Generation wohl „Generation Bachelor“ heißen, denn es sind die ersten Jahrgänge die auch in Deutschland mit dem einheitlich benannten und verschulten Studienabschluss an die Tür der Unternehmen und Agenturen klopfen. Und derzeit schreiben sich Journalisten die Finger wund, um diese Generation zu beschreiben, ist sie doch so ganz anders, als die Generationen davor. Zunächst einmal ist das eine „glückliche Generation“. Denn junge Arbeitnehmer sind rar und werden immer rarer, eigentlich kann jeder von ihnen mit einem Jobangebot rechnen – schon bevor er die Uni verlässt. „Es wird keine neue Generation Praktikum geben“, so eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (zitiert nach Süddeutsche Zeitung 13.7.2012). „Die Jobchancen der Jugend seien durchweg besser als die ihrer Eltern.“ Und doch wollen die Eltern, dass es ihre Kinder einmal „besser“ haben als sie. Daher tun Eltern schon im Kindergartenalter alles dafür, um ihre Kleinen auf Erfolg zu trimmen. Und wenn man der Kindergärtnerin oder dem Lehrer mit einer Klage drohen  muss, wenn die eigene Sichtweise auf das Kind mit der des professionellen Pädagogen nicht übereinstimmt. Diese Generation ist also mit dem Besten vom Besten ausgestattet und müsste nur so durchstarten.
„Die knappe Generation“, so nennt das Deutsche Institut für Altersvorsorge diese Jahrgängen, denn sie sind knapp und jeder wartet nur auf sie. Glücklich sind sie wohl, optimistisch und zuversichtlich. Krise und Arbeitslosigkeit sind den 20-jährigen eher fremd, oder man kennt es nur theoretisch aus den Nachrichten. Gute Bildung, lebenslanges Lernen, hartes Arbeiten und Wettbewerb sind für die Jungen geradezu selbstverständlich und doch zeigen sie jetzt schon ihren fleißigen Eltern die kalte Schulter. Denn im Gegensatz zur Generation Golf, die eine Aufsteigergeneration ist und dafür sehr hart arbeitet, ist für die Jugendlichen von heute schon klar: Glück statt Geld. Wer so behütet aufgewachsen ist, der schaut nicht mehr nach Geld, sondern nach mehr. Und so hört man heute schon von Jugendlichen, die noch nicht einmal mit dem Arbeiten angefangen haben, dass sie auf jeden Fall ein Sabbatical nehmen werden, ihren Job für eine Weltreise unterbrechen werden, die Elternzeit soweit ausdehnen wie möglich für sie und ihn, und eventuell sogar nur Teilzeit arbeiten wollen. Aufreiben für den Job: nicht mit uns. Ob sie das in 10 Jahren immer noch denken, wir interessant sein, zu beobachten, doch heute sind sie noch optimistisch.
Einen sehr interessanten Aspekt hebt Sibylle Haas in ihrem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (13.7.2012) ganz besonders heraus: „Die Psychologin Ursula Schütze-Kreilkamp sieht (diese Generation) nicht nur positiv. `Es gibt eine wachsende Gruppe exzellent ausgebildeter junger Leute. Das macht Mut´, sagt sie. `Sorge bereitet mir aber die zunehmende Uniformität der Bewerbungen. Viele junge Menschen verfügen über häufige Auslandserfahrungen, wurden auf Elite-Unis ausgebildet und sind sozial engagiert. Die Biografien gleich sich zunehmend. Auf der Strecke bleiben Individualität, Phantasie, Neugier und Nachdenklichkeit´.  Dies deckt sich durchaus auch mit meinen eigenen Erfahrungen aus dem Agenturalltag. Immer seltener begegnet man wirklichen Persönlichkeiten und besonderen Charakteren - jungen Kollegen, die den Mut haben, authentisch und eigenwillig aufzutreten. Elternhaus, Schule und Bachelor trimmen auf Gleichförmigkeit, Andersartigkeit wird anscheinend von unserer Gesellschaft heute mehr bestraft als früher. Die SZ weiter: „Zu oft würde der Nachwuchs von den Eltern zum Erfolg auf direktem Weg gedrillt. Das könne der Wirtschaft schaden, meint die Personalerin Schütze-Kreilkamp“ , verantwortlich für die Führungskräfte bei REWE – denn Kreativität und Innovation werden zunehmend zum Wachstumstreiber (…).
Absolut will ich hier beipflichten. Und sogar noch mehr: „Man braucht Menschen, die querdenken, die Alteingefahrenes infrage stellen. Und man braucht Leute, die im Team – und dennoch selbstbestimmt – arbeiten können.“ (SZ, 13.7.2012)
Also liebe junge Kollegen: bevor ihr schon vor dem Arbeitsstart an die Auszeit und den Ruhestand denkt, zeigt erst einmal eure Ecken und Kanten, eure Ideen und Visionen und krempelt die Welt einfach mal um. Auch wenn´s den Eltern nicht gefällt – aber welche Generation wollte denn wirklich seinen Eltern gefallen? Ihr wollt doch nicht die ersten sein, oder? (Bild: Sanja Ivekovic auf der dOCUMENTA (13) )

06 August, 2012

Die Gesellschaft von morgen – ist kreativ und flexibel

Es gibt Wissenschaftler, die beschäftigen sich mit der Welt von morgen. Und damit ist nicht in ein paar Jahren gemeint, sondern die Gesellschaft nach unserer Gesellschaft heute. In sehr sehr ferner Zukunft. Und doch kann es sein, dass uns die Zukunft schneller einholt, als wir denken und man sollte sich schon mal fit machen und darauf einstellen, was Wissenschaftler wie der Soziologe Dirk Baecker am Zeithorizont und darüber hinaus für uns sehen. Nicht weniger als die „soziale Katastrophe“ erwartet uns. Und damit ist eine komplette Umgestaltung unserer gesellschaftlichen Grundstruktur gemeint. Auslöser ist selbstverständlich der Computer, auf den wir unser Leben noch weiter ein- und umstellen werden. Die Gesellschaft der Zukunft hat alles Wissen zur Verfügung, kämpft mit Sinnüberschuss und vollkommender Kontrolle. Die Welt der Zukunft steckt im Paradox von Sicherheit und Risiko, denn Computer machen unser Leben immer berechenbarer und zuverlässiger, gleichzeitig nehmen aber die Unabwägbarkeiten der Umwelt und auch Herausforderungen durch Technikausfall zu. Die Soziologengruppe um Dirk Baecker, zitiert in GDI Impuls 4/2011, konzentriert sich dabei auf die sozialen und gesellschaftlichen Aspekte dieses Widerspruchs. Dabei kommt es, so die Wissenschaftler, in der Zukunft zu einem gewaltigen Bruch: „Die bisherige Gesellschaft sagt ihren Mitgliedern: Haltet an euren Werten fest. … Die nächste Gesellschaft sagt: lernt, flexibel mit euren Werten umzugehen.“ Verbindliche Wertesysteme werden in der fernen Zukunft zum Bottle Neck für Entwicklung und Anpassung. Sie erweisen sich als zu starre Rahmensysteme, die der Menschheit mehr schaden als nützen. Ein gewaltiger Umbruch, der uns zu enormen zum Umdenken zwingt. „An der Stelle ethischer Nibelungentreue zu sich selbst tritt allerdings nicht Beliebigkeit, sondern Nachvollziehbarkeit.“  Führungspersönlichkeiten der Zukunft sind aufgefordert, komplette Erzählstränge und transparente Narrative mitzuliefern, anstatt nackte Handlungsanweisungen zu geben. „Narrate your life“ nennt dies der US-Unternehmer Dave Winer und empfiehlt sein Leben öffentlich zu bloggen, um sich als Führungskraft authentisch und nachvollziehbar zu machen. Auf Unternehmen, ihre Führung und Handlungsmacht hat diese neue Gesellschaft erhebliche Auswirkungen. „In der nächsten Gesellschaft stehen alle Unternehmen unter diesen Ansprüchen höchster Zuverlässigkeit (…) und gerade deswegen drehen sich solche (neuen) Organisationen viel stärker um den Menschen als klassische Unternehmen. Von wegen der Computer ersetzt den Menschen. Die heterogenen Verbindungen so zu knüpfen, dass sie für alle Beteiligten Sinn machen, und dies auch zu kommunizieren – dies wird mehr denn je die Kunst höchst aufmerksamer Menschen sein. Und die zu gewinnen und zu binden, wird eine zentrale Aufgabe der Unternehmen. Motivation schlägt Rationalität.“
Und noch etwas sehen die Zukunftsforscher voraus: eine Welt der Hyperkomplexität. „In den Netzwerken der nächsten Gesellschaft findet nicht die Erlösung vom Joch der Moderne statt, hier entsteht keine befreite Welt. Im Gegenteil: Die mühsame Arbeit an der Hyperkomplexität erfordert eher, dass die Menschen zu ´Stressvirtuosen` einer neuen Unübersichtlichkeit werden.“ (Bild: Richter, Berlin, 2012)

13 Juli, 2012

Why PR still can´t have it all – Warum PR-Agenturen Cannes Cannes lassen sollten

Die PR-Branche leidet. Sie windet sich und jammert, sie mault und schmollt. Schon wieder haben ihnen die Werber in Cannes die Schau gestohlen. Seit einigen Jahren gibt es beim Kreativ-Festival in Cannes nun auch die Kategorie „PR“ und so rückte die schillernde Stadt in Frankreich in den Fokus der Öffentlichkeitsarbeiter. Die Öffnung von Cannes in Richtung PR war wie ein Ritterschlag für eine Disziplin, die sonst eigentlich die leiseren Töne anschlägt und lieber im Hintergrund agiert. Endlich glaubte man sich aufgenommen in den Reigen der kreativen Kommunikationsdisziplinen, sonnte sich im Glanz der schillernden Welt des Festivals und fühlte sich ernst genommen vom „großen Bruder Advertising“. Doch die Enttäuschung kam schnell. Gleich im ersten Jahr gewann zwar eine PR-Agentur den Award, aber in den Folgejahren und vor allem in diesem Jahr wurden wir alle geschlagen von … Werbeagenturen. In „unserer“ Kategorie. Die Empörung ist groß und ergießt sich in einem nicht enden wollenden Strom an Blogkommentaren (so auch meiner), Fachpresseartikeln und Branchendiskussionen. Erklärungen werden gesucht, Vergleiche werden angestellt: Warum sind Werber kreativer als PRler? Wie kann es sein, dass die uns mit ihren Mitteln schlagen? Ist das fair? Ist das gerecht? Und so weiter und so weiter.
Als ich zum ersten Mal einen Award in Händen hielt, war ich extrem stolz. Ich war noch am Anfang meiner Karriere und hatte mit meinem Team für ein erfolgreiches Programm rund um US-Sonnenblumenkerne die „Goldene Brücke“ gewonnen, den Vorgänger des Deutschen PR-Preises. Ein erster von zahlreichen weiteren Preisen. Und auch heute noch freue ich mich über jede Auszeichnung und jeden Preis, den wir für die Kampagnen unserer Kunden erhalten.  Aber um jeden Preis?
Cannes hat eine lange Tradition, ist von Werbern für Werber gemacht. Eine schillernde Bühne, ein Branchentreff, auch fachlicher Austausch, gar ähnlich wie TED oder DLD, aber vor allem eine große Party. Die räumliche Nähe zum Filmfestival mit ihren Stars und Sternchen, Red Carpet Zeremonie und Blitzlichtgewitter ist sehr gewollt. Doch ist das auch unsere Bühne? Sicher, auch wir wären so gerne im Rampenlicht. Doch spiegelt das unser tatsächliches Wirken wieder?
Schon lange nennen wir uns eigentlich nicht mehr „PR-Agenturen“. PR wird leider zu oft mit „PRessearbeit“ gleichgesetzt und dies ist doch nur noch eine unter vielen anderen Facetten unserer Arbeit. Als Kommunikationsagentur ist unsere Disziplin heute so viel breit gefächerter.  Unsere Disziplin ist nach wie vor „Public Relations“. Beziehungsmanagement mit der Öffentlichkeit und Teilöffentlichkeiten. Unser Hebel ist die Kommunikation. Wir bringen Menschen zusammen und helfen ihnen erfolgreich in den Dialog miteinander zu treten.
Unter diesem Aspekt erscheint mir die „Kreativität“, wie sie in Cannes interpretiert wird, zum Teil unangemessen als Gradmesser für unsere Arbeit. Wer sich die Cannes-Gewinner ansieht, alles großartige Arbeiten, sieht eine bestimmte Art an Kreativität, eine Kreativität, die nur einige Aspekte unserer tatsächlichen Arbeit abdeckt. In vielen unserer Kampagnen können und wollen wir weder auffallen, noch humorvoll, noch schillernd oder gar überraschend sein. Und doch ist sind auch diese Programme in ihrer Art kreativ - kreativ auf ihre Weise.
Sich hier abzusetzen und eine eigene Interpretation von Kreativität zu definieren, das wäre tatsächliche der Ritterschlag für unsere Disziplin. Eine Disziplin mit Zukunft, die selbstbewusst neben dem „großen Bruder Advertising“ antreten kann. Aber dies hieße auch, sich nicht zu grämen, wenn in Cannes andere den Award abholen und über den roten Teppich laufen. PR still can´t have it all.

15 Mai, 2012

Unsere Angst, dass uns keiner zuhört

Macht uns Technologie wirklich besser? Sherry Turkle gibt da ein kleines Warnsignal. Über 15 Jahre studierte die Psychologin die Veränderung des Kommunikationsverhaltens, vor allem die wachsende Nutzung von Textnachrichten. Und was sie in ihrem TED Talk aufdeckt, ist erschreckend. Während wir in Online-Communities immer aktiver sind, Texte und Bilder mit unseren „Freunden“ verstärkt teilen und uns kontinuierlich immer stärker „vernetzen“, werden wir gleichzeitig immer einsamer und unfähig, ein echtes Gespräch zu führen oder eine echte Beziehung aufrecht zu erhalten.
Überall sehen wir Kollegen, Freunde, Verwandte und Fremde auf der Straße in ihre Smartphones starren. Wir schreiben emails, texten SMSs, twittern  mit 140 Zeichen, teilen Bilder auf Pinterest und sammeln Freunde auf Facebook. Ehepaare tun dies am Frühstückstisch, Vorstände während Sitzungen, Schüler während des Unterrichts und sogar während Beerdigungen schaffen es manche nicht, sich von dem Strom der Worte zu lösen.
Wir sitzen nebeneinander und starren auf die Bildschirme. Doch wir sind zusammen ohne wirklich zusammen zu sein. Und genau das wird auf Dauer zu unserem Problem. Ein Problem für unsere Beziehung zu anderen und uns selbst.
Schon heute wächst die Zahl der „Ausgebrannten“, „Unsteten“ und „Unruhigen“. Derer, die kontinuierlich an einem Ort sind und doch an einem anderen sein wollen. Nichts verpassen, immer dabei sein. Online ist das möglich. Oder doch nicht?
Schon heute wächst die Zahl derer,  die sagen, dass sie lieber eine Email schreiben oder „texten“, statt anzurufen oder ein persönliches Gespräch zu führen. Wir isolieren uns mehr und mehr – mit der Ausrede „den anderen nicht stören zu wollen“. Man kann doch schnell eine Email schreiben. Tatsache ist jedoch, und da ist Sherry Turkle sehr deutlich, dass WIR nicht gestört werden wollen. WIR sind es, die sich die Freiheit nehmen, wann und wo auch immer über ein Thema zu schreiben und sich beim anderen zu melden. Und vor allem eine Beziehung aufzubauen, die nicht zu intensiv ist aber auch nicht zu locker … genau, wie es uns gerade in den Kram passt: Turkle nennt das Goldilocks-Effekt.
„So what´s wrong with a real conversation?” Studien von Turkle bringen eine grausame Wahrheit zu Tage:
-     Die Menschen sind es, die uns stören. Das Unberechenbare und Unvorhersehbare, das in einem Gespräch plötzlich auftreten kann. Per email passiert das weit schwieriger. Noch dazu erwarten wir auf die meisten Textbotschaften gar keine Antwort. Wir nutzen die Technik zum Monolog nicht Dialog.
-     Gespräche brauchen Zeit. Man kann nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern muss ein Gespräch aufbauen. Sich Zeit nehmen und Mühe aufwenden, ein gutes Gespräch zu führen. Twitter hat 140 Zeichen. Wie schön effizient.
-     Gespräche sind live. Eine Textbotschaft oder Email kann editiert werden. Wir können unsere Worte sehr gut wählen. Die Delete-Taste wird für SMS mindestens genauso oft benutzt, wie die Buchstaben. Im Gespräch müssen wir spontan antworten. Per Textbotschaft können wir alles so schön schreiben, wie wir gerne hätten, dass uns die Welt wahrnimmt.
Und über diesem Verlust an Gesprächen steht laut Turkle vor allem ein kurioses Paradigma. Nein, eine Angst:  „No one is listening to me“. Niemand hört mir mehr zu? Eine Teufelskreis. Daher twittern, SMSn, bloggen, facebooken und flickern wir umso mehr – und verschaffen uns eine Heerschar an „automatischen Zuhörern“. Dies befriedigt leider nicht so sehr, ist aber doch eine kleine Ersatzhandlung.
Fazit: Wieder öfter die Ursprungsbestimmung des Smartphones aktivieren und „zum Hörer greifen“ (welch seltsamer Ausdruck im Deutschen) oder noch besser: das Smartphone zur Seite legen und in ein unbequemes Gespräch gehen – und sich überraschen und bereichern lassen.

10 Mai, 2012

Kleine Anmerkung zur re:publica 2012

Wer twitternde Astronauten, hackende Suizidgefährdete und einen sehr sympatischen Regierungssprecher erleben will, der ist auf der re:publica bestens aufgehoben. Und auch wenn Journalisten, Blogger und Social Media Berater danach nimmer müde werden, der re:publica zuzugestehen, dass sie 2012 endlich erwachsen geworden sei, so sind doch die unkonventionellen Blühten am Rande der Konferenz die Highlights, die ihren Charme ausmachen. Angefangen von dem "Analog-Design" der Konferenz. Waren doch Farbgestaltung und Logo der diesjährigen re:publica eine charmante Replik auf schlechte Schwarz-Weiss-Kopien aus Kopiermaschinen alter Tage. Ich bezweifle, dass mancher junge Teilnehmer überhaupt die Anspielung verstanden hat, da er eigentlich nur super Digitaldruck-Kopien kennt. Und auch die physische Twitter-Wall, eine echte Wand, an die drei Tage lang der ausgedruckte Twitterfeed zum #rp12 mit Tapetenkleister hintapeziert wurde, hatte einen herrlichen Retro-Charme. Übertroffen wurde dieses Zitat alter medialer Rituale des Flugblatt-Anschlages durch die "Re-zitierung" im Netz. Denn viele Teilnehmer fotografierten ihren eigenen Twitterfeed an der Twitterwand ab und schickten ihn erneut, in neuer Form, per Twittpic ins Netz. Die re:publica Twitterwall wurde damit gleichsam zum Symbol des Medienverhaltens und Umgangs mit Content im Netz: aus einer originären Idee wird ein Tweet, wird ein Retweet, wird ein Mashup und erneut ein Tweet. Wir leben im Zeitalter der Kopie der Kopie. So ist die re:publica Kulturkritik auf hohem Niveau. (Und natürlich ist sie erwachsen geworden). Mehr zur re:publica auf http://www.kpg-blog.de/

12 Februar, 2012

Was hat er, was ich nicht habe? Die Gabe innovativer Menschen

Jeffrey H.Dyer, Professor an der Brigham Young Universität in Utah, Hal B. Gregersen, Professor an der Insead in Abu Dhabi und Clayton M. Christensen, Professor an der Harvard Business School in Boston haben sie herausgefunden: die DNA von Innovatoren. Sie haben in zahlreichen Studien und in Zusammenarbeit mit 25 innovativen Unternehmen und 3.000 Führungskräften analysiert, was es braucht, um innovativ zu sein. Das Spannende: sie haben fünf Entdeckerqualitäten identifiziert, die sich jeder von uns erwerben kann. Die Herausforderung ist nur, diese Qualitäten auch jeden Tag und zu jeder Stunde zu leben und zu verkörpern. Aber hier sin sind sie, die geheimen Zutaten großer Innovatoren:
1. Innovatoren verknüpfen.
2. Innovatoren hinterfragen.
3. Innovatoren beobachten.
4. Innovatoren experimentieren.
5. Innovatoren vernetzen.
Das sind die Elemente kreativer Intelligenz. Fünf Handlungsmuster, die bahnbrechende Ideen fördern. Aber der Reihe nach:

1. Verknüpfen. Klingt einfach, ist aber eines der schwierigsten Handlungsmuster. Innovatoren gelingt es, Fragen, Probleme und Ideen unterschiedlichster Art mit einander in Verbindung zu bringen und dadurch neue Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. In der Kreativitätstechnik nennen wir das kombinatorische Kreativität und techniken wie z.B. Synektik arbeiten mit dieser Methode. Menschen, die das täglich können, haben einen Vorteil.

2. Hinterfragen. Meine Güte wie lästig ist das. Man hat einen Prozess gut aufgesetzt, er läuft endlich und schon eine ganze Weile gut und reibungslos. Und da kommt dann einer und hinterfragt, ob man nicht doch noch was besser machen kann. Schon vor 50 Jahren bemerkte Petr Drucker, wie wichtig diese Art der Provokation ist "Die wichtige und zugleich schwierige Aufgabe besteht niemals darin, die richtigen Antworten zu finden, sondern darin, die richtigen Fragen zu stellen." Innovatoren fragen immerzu und zweifeln an der bestehenden Meinung. Den meisten Menschen ist das lästig und es ist auch anstrengend. Aber notwendig. Nur wer den Status in Frage stellt, kommt auf Neues.

3. Beobachten. Gut hinsehen braucht Gedult. Und Demut. An den Ort des Geschehens gehen. Das Problem sich wirklich vor Ort ansehen. Das machen weniger Menschen als man denkt. Viele bleiben hinter dem sicheren Schreibtisch und im Meeting. Und nur wenige bringen die Zeit auf, wirklich zu beobachten und genau hinzusehen. Nur sehr mutige Menschen machen das.


4. Experimentieren. Mal was ausprobieren. Ins Risiko gehen. Damit
rechnen, dass man scheitert. Eigentlich ist dies in unserer modernen, effizienten Welt nicht mehr vorgesehen. Experimentieren heißt auch Improvisieren. Und leider hat dieses Wort immer noch einen schlechten Beigeschmack, obwohl wie in unserer komplexen und unvorhersehbaren Welt viel mehr Improvisation gebrauchen könnten. Innovatoren fördern eine Kultur des Ausprobierens - und damit auch eine Kultur des Fehlers und der Reflexion. Nur damit ist Raum geschaffen wir Neues.

5. Vernetzen. Der Austausch mit anderen und das Zusammenbringen von möglichst unterschiedlichen Denkweisen wird zu einer Schlüsselqualifikation von Innovatoren. Nur noch selten werden durchbrechende Ideen von einer einzelnen Person im stillen Kämmerlein gefunden. Innovation ist Teamarbeit und vernetzte Arbeit. Innovatoren sind herausragende Networker und bringen Gedanken und Ideen zusammen, um neues zu schaffen.

Den ganzen Artikel "Die Innovatoren-DNS" gibt es bei Harvard Business Manager Edition 2/2011. Und schon andere haben darüber ausführlich geschrieben, z.B. der Atelier Blog.


31 Januar, 2011

Do you have your own "futurist"?

Intel has it´s own and this is Brian David Johnson. He scans the future for Intel - "Future Casting" is what he calls it himself. And the outcome of all this could be read in a book or a novel "Fake Plastic Love" or he is even working on movies. So very much inspiring the future is.

31 Mai, 2009

Zukunftsstrategien. Können wir das überhaupt?

"Wichtig wird sein, den Humor nicht zu verlieren." Diesen wunderbar wahren Satz habe ich aus einem SZ-Wochenende Artikel, der hervorragend das Leid der heute 40jährigen zusammenfasst und auch einen Ausblick auf unsere Zukunft gibt. Da wir 40jährigen uns ja nur mühevoll dem Digitalen Zeitalter angenähert haben und nie den Status der "Digital Natives" erreichen werden, prophezeit man uns heute schon, dass uns der natürlich vorgegebene Altersstarrsinn in einigen Jahren davon auch wieder entfernen wird. Kopfschütteln ist dann wohl unsere Haupttätigkeit, wenn uns unsere Kinder und Enkelkinder links und rechts überholen und alles über Bord werfen, wofür wir doch so gekämpft haben. Nun gut, so richtig hart hat unsere Generation nie gekämpft - gott sei dank nicht - aber auch von der Verbissenheit der 68er sind die um 68 geborenen weit entfernt. Daher ist uns so 1.000prozentig auch nichts heilig. Wir sind ja die Generation x und daher Könige des Zynismus und Sarkasmus ... wir haben also unsere Mittel und Wege, wie wir uns zur Wehr setzen. Später mal. Aber wenn man heute sich überlegt, ob man in ein paar Jahren noch der Richtige ist, um Strukturen aufzubauen, Strategien zu entwickeln und Erfolgskonzepte zu erarbeiten ... Da kommen mir doch Zweifel. Wir werden immer dem Alten anhängen und es wird uns immer schwerer fallen das Neue anzunehmen. Ein guter Stratege lernt sicher aus der Vergangenheit und Erfahrung, viel wichtiger als das Alte ist aber die Antizipation des Neuen und Zukünftigen. Und das wird immer schwerer. Besonders für uns "Nicht Digital Natives". Eine Antwort darauf hab ich nicht, ausser einen Appell an meine gleichaltrigen Freunde: seid wachsam und versucht offen zu bleiben. Und an meine jüngeren Kollegen: seid gnädig. Aber bitte lasst es uns nicht merken.